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Schon in der ersten Hälfte des D.Jahr­hunderts besaß Burghausen alle Rechte, die es zur Stadt machten; am 21. März 1307 wurden bereits beste­hende Satzungen zusammengefaßt und aufgezeichnet: Dies ist die älteste erhaltene Kodifikation des Burghauser Stadtrechts. Am 7. März 1322 er­folgte durch die gemeinsam regieren­den Herzöge Heinrich XIV., Otto IV. und Heinrich XV. die Verleihung aller Rechte, wie sie die Stadt Landshut hatte, einschließlich der Bestätigung aller vorhergehenden Privilegien.

Zu dieser Zeit erregte sich im erstarkten Bürgertum schon die Gewissenspflicht – sicher verbunden mit dem Bestreben, sich für das Jenseits Ver­dienste zu schaffen -, an Fürsorge für die vom Leben und Schicksal Benach­teiligten und an den Rand der Gesell­schaft Gedrängten zu denken. So legte mit Urkunde vom 22. April 1319 der verwitwete wohlhabende Burghauser Bürger Chunrad Emreich den Grund­stock zu einem Spital, indem er vor dem Eintritt in das Stift Reichersberg am Inn seinem Schwager Friedrich dem Mautner zwei Häuser und eine Hofstatt in Burghausen zur Verwirkli­chung seines Vorhabens übergab.

 

Auch die Herzoginwitwe Jutta hatte vor, für alle Siechen und Dürftigen ein Spital zu erbauen und zu stiften, starb jedoch schon 1320, noch ehe sie ihre Absicht in die Tat umsetzen konnte. Dies betrachteten offenbar ihre Söhne Heinrich XIV. und Otto IV. sowie ihr Neffe Heinrich XV. als verpflichten­des Erbe und vermachten durch Ur­kunde vom Palmsonntag, dem 16. März, 1326 dem inzwischen - in wel­cher Form auch immer - entstandenen Spital zu Burghausen den Eggenberg mit Wiesmahd, Gilt und allem Zu­behör sowie Mueßsalz (Pflichtsalz) von Scheiben und von kleinem Salz aus der herzoglichen Maut zu Burg­hausen. Die drei Herzöge bestimmten ferner, daß sechs Pfründen für das Kloster Ranshofen an das Spital in Burghausen übertragen werden soll­ten, um dort „den Dürftigen und Sie­chen (zu) warten und (zu) dienen tag und nacht". Damit ist die Zweckbe­stimmung des Spitals als Kranken-und Armenhaus zugleich als Pflege-und Altersheim klar ausgesprochen. Weiterhin befreiten die Herzöge das Spital von jeglicher Maut zu Burghau­sen und Scharding.

 

Wie die Stiftung sich in den folgenden Jahren entwickelte, ist ungeklärt. Je­denfalls erbaute Friedrich, Bürger und Mautner von Burghausen, kurze Zeit später vor der älteren Stadtmauer am Abflußbach des Wöhrsees kurz vor der Einmündung in die Salzach ein Spitalgebäude mit Kirche, gab zahlrei­che Güter dazu und errichtete ein Benefizium. Am 24. September 1332 fer­tigte er einen ausführlichen Stiftungs­brief aus, in dem auch schon das Sie­chenhaus (domus leprosorum), eine andere sehr wichtige Sozialeinrich­tung der Stadt, erwähnt wird. Am sel­ben Tag noch bestätigten Herzog und Stadtrat den Stiftungsakt. Dem Spital wurde für ewige Zeiten Freiheit von aller Stadtsteuer gewährt.

 

Uber das bauliche Aussehen des Spi­tals im 14. Jahrhundert läßt sich wenig aussagen, da vor allem durch das Wü­ten des Stadtbrandes von 1504, bei dem alle Insassen des Hauses ums Le­ben gekommen sein sollen, große Schäden entstanden sein dürften. Nur der Chor der Heilig-Geist-Kirche reicht wohl in die Zeit um 1330 zu­rück. Der ursprüngliche Westturm wurde 1773 von dem Trostberger Bau­meister Joseph Lündtmayr durch den heutigen Turm ersetzt. Bei dieser Groß­baumaßnahme könnten auch die bei­den noch stehenden Spitalbauten, die sich süd- und nordwestlich an die Kirche anschließen, ihre heutige Ge­stalt erhalten haben; denn ersterer ist im Sandtnermodell von 1574 über­haupt noch nicht vorhanden, letzterer, ist sehr kurz; auf dem Weningstich von 1699 erscheint er ein Stück länger. Der tatkräftige Spitalpfleger Felix Hu(e)ber, Mitglied des Stadtrates, der sich schon um Turmbau und Kirchen­renovierung einmalige Verdienste er­worben hatte, modernisierte 1777 das Innere des Spitalgebäudes durchgrei­fend. 1932/33 wurde längs der Maut­nerstraße ein Erweiterungsbau mit Pforte errichtet, während man bis da­hin durch das breite Tor an der Spital­gasse über den Hof zum Eingangspor­tal neben der Kirche gelangte. Die wei­teren Neubauten entstammen der Zeit nach 1956 und sind auf die nunmehrige Zweckbestimmung des bischöflichen Seminars St. Altmann ausgerichtet.

 

Im Laufe seiner langen Geschichte wurden dem Spital viele Rechte und Vergünstigungen eingeräumt, erfolgten Zustiftungen und Zuwendungen, die sich zum Teil bis in unsere Gegenwart auswirkten. Die 522 (numerierten) Spitalurkunden im Stadtarchiv und andere Dokumente zeugen davon.

 

Die von der hiesigen Regierung im Be­nehmen mit dem Stadtmagistrat erlassene Spitalordnung von 1783, eine ge­naue I Dienstanweisung für Krankenwärter und -wärterinnen sowie anderes Personal, zeigt, daß hierein Kran­kenhaus im heutigen Sinn entstanden war; so war auch schon nach dem Um­bau von 1777 die Aufnahme eingekauf­ter Pfründner eingestellt worden, und wurde im Überschreitungsfall sogar von der Regierung angemahnt.

 

Am 29. Dezember 1858 wurde im Heilig-Geist-Spital das Distriktskranken­haus eröffnet und den Barmherzigen Schwestern die Betreuung übertragen; diese bewerkstelligten im März 1956 auch noch den Umzug in den Neubau am Hochufer der Salzach, wurden aber Ende 1957 wegen Nachwuchs­mangels vom Mutterhaus in München abgerufen.

 

 

(Alois Buchleitner, Das Heilig-Geist-Spital Burghausen in altern und neuer Zeit, in: Bischöfliches Studienseminar St. Altmann Burghausen 1956-1990, 1990, 6-9

 

Das Heilig-Geist-Spital und das Städtische Krankenhaus Burghausen

 

Das Heilig-Geist-Spital ist 1326 gestiftet und 1332 eröffnet worden. Es war eine bürgerliche und städtische Stiftung, vor dem Stadttor gelegen und bereit, Pilger und Reisende aufzunehmen, dann auch Kranke und Sieche. Mit dem Titel des Heiligen Geistes verband man besonders die Einheit von Leib und Seele, eine ganzheitliche Sicht vom Menschen. Der Mensch, der hierher kam, sollte besonders bei seinem Bemühen um Ganzheit und Gesundheit gefördert werden. Später beherbergten die Mauern das Städtische Krankenhaus bis 1956.