© 2014 - 2018 by Helmut Demmelhuber                      

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Als ich im Herbst 1978 erstmalig musikalisch Seminarluft schnupperte und ab Februar 1979 offiziell die Nachfolge von Herrn Filchner als Musikpräfekt antrat, musizierte man im Haus buchstäblich an allen Ecken und Enden. Ich erinnere mich noch gut, wie manche Schüler nach der Schule ins Seminar eilten, um an der Orgel überhaupt noch einen Platz zum Üben zu ergattern. Zählte doch damals das Seminar noch gut 70 Schüler, von denen über die Hälfte musikalisch aktiv war. Das größte Problem war für mich, den vielfältigen Musikunterricht an den Nachmittagen unterzubringen, desgleichen Übungszeiten auf großen Plänen einzuteilen. Dazu kamen noch diverse Ensembles wie Band, Bläser, Stubnmusi und nicht zu vergessen ein 25 Mann starker Chor, mit dem wir bei zahlreichen Seminartagen in den Pfarreien Gottesdienste gestalteten. Es war damals im Seminar die Zeit der "Gen Rosso Messe", die noch Herr Filchner einstudiert hatte, und mit der wir anfangs auch unter meiner Leitung durch die Lande zogen. Ab 1980 umrahmten wir die Gottesdienste mit rhythmischen Liedern vornehmlich von P. Janssens, L. Edelkötter und K. Stimmer. Band und Chor wurden instrumental mit Flöten oder Blechbläsern "verstärkt". Zur Abwechslung versuchten wir es dann mit einer lateinischen Messe, die ich 1981 zu Ehren des heiligen Bischofs Altmann komponiert hatte. Sie war für zweistimmigen Jugendchor, Orgel, 2 Röten, Oboe, 2 Trompeten und Posaune gesetzt und auf unsere Seminarsituation abgestimmt. Etwa zwei Jahre lang konnten wir mit dieser Messe die Menschen in den Pfarreien erfreuen, und heute noch sprechen Eltern von "den tollen Zeiten, in denen so etwas möglich war". Die Vielseitigkeit im musikalischen Bereich wurde im Seminar stets begrüßt und gefördert, so daß immer eine Vielzahl verschiedenartiger Instrumentalisten zur Verfügung stand, wenngleich bestimmte Trends zu sogenannten Modeinstrumenten wie Gitarre, Schlagzeug, Trompete und Akkordeon zeitweise zumindest "den Ton angaben". Zu nennen sind auch die Stubenmusi mit Gitarre, Zither und Hackbrett, die natürlich meist in der "staaden Zeit" im Einsatz war, ferner die schon erwähnte Band mit Schlagzeug, Baß, Orgel und Gitarre und eine Bläsergruppe mit Trompeten und Posaunen, und schließlich bereicherten das Musikleben in Sankt Altmann zahlreiche Einzelinstrumente wie Akkordeon, Oboe, mehrere Flöten, Saxophon, Klarinette und Geige. Eine in allen Jahren beachtliche Zahl von Gitarre-, Orgel- und Klavierspielern vervollständigte das musikalische Klangbild in Sankt Altmann. 1984 konnten wir in der besinnlichen Zeit noch einmal eine Eigenkomposition, die "Nikolausmesse" für zweistimmigen Chor, 2 Flöten, Oboe, 2 Geigen und Cello aufführen. Zu guter Letzt standen die Blechbläser hoch im Kurs; mit der darauf aufbauenden Big-Band konnten wir uns sehen und hören lassen. In ihrer Glanzzeit (1985/86) war sie wie folgt besetzt: Schlagzeug, E-Baß, E-Gitarre, Orgel, Saxophon bzw. Klarinette, 3 Posaunen und 6 Trompeten - eine beachtliche Anzahl von jungen Musikern bei kaum mehr 40 Schülern im Seminar!

 

Allmählich jedoch führten rückläufige Neuanmeldungen für die 5. Klasse auch zu einer Reduzierung der musikalischen Aktivitäten. Unser Chor schrumpfte langsam zu einer Schola, die sängerisch dennoch einiges zu bieten hatte. Unsere Orgel dagegen war mit zwei zur Auswahl stehenden "Barbarino-Preisträgern" (Herbert Hansbauer 1984 und Johann Kreuzpointner 1986 und 1988) überdurchschnittlich gut besetzt. Eine weitere rhythmische Messe, "Gen Verde" gab es 1986 im Seminar zu hören. Die Band war noch "gut bestückt", und sängerisch waren wir mit der Schola noch "brauchbar drauf'. Mit dem Weggang zahlreicher musikalischer Leistungsträger mußten wir ab Herbst 1987 stark zurückstecken. Eine Handvoll mehr oder weniger musikinteressierter Schüler reichte nicht aus, um große Pläne zu schmieden. Hatte ich im Schuljahr 1987/88 mit Stephan Geißler (Trompete) noch einen guten Musikpartner, so begann danach ein bedauerlicher musikalischer Abgesang, der sich bis zum "bitteren Ende" in dieser letzten "Saison" fortsetzt.

Eine lange und fruchtbare Musiktradition im Seminar Sankt Altmann findet einen gewiß unbefriedigenden Abschluß. War doch die Musik immer ein wichtiger Bestandteil des Seminarlebens gewesen - und mir persönlich eine große Freude, weil ich über 11 Jahre zum musikalischen Erfolg des Seminars beitragen konnte. Es war eine dankbare, wenn auch oft nicht leichte Aufgabe, junge Menschen zur Musik Hinzuführen und ihnen die Möglichkeiten instrumentaler Betätigung zu eröffnen. Viele, wenn auch zu wenige in Anbetracht vorhandener ungenützter Anlagen, haben das Angebot genützt, einige haben es zu beachtlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten auf ihren

Instrumenten gebracht, und für manchen spielen Musik und Musizieren noch heute eine Hauptrolle.

So möchte ich mich bei allen "Musen" bedanken und ich hoffe, daß die Zeit in Sankt Altmann allen das brachte, was sie sich erhofft hatten, und daß es mir gelungen ist, den Interessierten das zu vermitteln, was die Musik zu einer der schönsten Betätigungen im Leben macht.

 

(Horst Eberl, Klangvolles Sankt Altmann, in: Bischöfliches Studienseminar St. Altmann Burghausen 1956-1990, 1990, 70-73)

 

 

Klangvolles Sankt Altmann